Ein Sakko erkennt man an wenigen Details. Einige sieht man auf den ersten Blick: die Schulter, das Revers, die Brusttasche. Andere liegen zwischen Oberstoff und Futter. Sie zeigen sich erst im Tragen, oft erst nach Jahren. Dieser Beitrag geht die Details eines MASSURA. Sakkos der Reihe nach durch – von außen nach innen.

Kurz gesagt: Der Hausstil von MASSURA. ist neapolitanisch inspiriert, genauer vom Riviera-Stil der 60er-Jahre. Er zeigt sich in einer weichen, ungepolsterten Schulter (Spalla camicia), der 3-Roll-2-Knopfstellung, der Barchetta-Brusttasche und einem breiteren Revers von 11 bis 14 cm. Diese Schnittmerkmale gelten in beiden Linien, und in beiden wird der Ärmel von Hand eingesetzt und der Kragen von Hand angenäht. In der Linea Maestro ist das Sakko handgefertigt: mit von Hand eingenähter schwimmender Einlage, handgesteppten Revers und handgenähten Knopflöchern.

Die Schulter: Spalla camicia

Spalla camicia ist Italienisch und bedeutet „Hemdschulter“. Der Ärmel wird ähnlich eingesetzt wie bei einem Hemd. Die Schulter hat kein Polster. Sie folgt der Linie Ihrer eigenen Schulter, statt eine neue zu bauen.

In beiden Linien wird der Ärmel von Hand eingesetzt. Bei einer Schulter ohne Polster entscheidet dieser Schritt darüber, wie Schulter und Ärmel fallen.

Bei einer klassisch englischen Schulter gibt ein Polster der Schulter eine gerade, oft breitere Kontur. Die Spalla camicia wirkt ruhiger. Sie gibt dem Sakko seine Leichtigkeit und ist der Kern dessen, was wir natürliche Eleganz nennen: nie steif, stets angemessen.

Spalla-camicia-Schulter ohne Polster: feine Fältchen am von Hand eingesetzten Ärmel

Die Knopfstellung: 3-Roll-2

Das Einreiher-Modell Rapallo hat drei Knöpfe. Geschlossen wird nur der mittlere. Der obere Knopf liegt im Umschlag des Revers: Das Revers rollt weich über ihn hinweg und endet erst am mittleren Knopf. Daher der Name – drei Knöpfe, gerollt auf zwei.

Das Ergebnis ist eine lange, ruhige Reverslinie. Der obere Knopf und sein Knopfloch bleiben sichtbar, werden aber nie geschlossen. Die Rollung ist gewollt. Sie entsteht nicht durch Bügeln, sondern durch die Verarbeitung des Revers von innen (siehe Pad-Stitching unten).

Beim Zweireiher Portofino heißt die Knopfstellung 6×2: sechs Knöpfe, von denen zwei geschlossen werden. Das Revers verläuft hier gerade, ohne Bauch.

3-Roll-2-Knopfstellung: Das Revers rollt über den oberen Knopf, geschlossen wird der mittlere

Das Revers: breiter und etwas tiefer angesetzt

Das Revers ist breiter als bei vielen aktuellen Sakkos: 11 bis 13 cm beim Rapallo, 12 bis 14 cm beim Portofino. Der Kragen ist leicht abgerundet.

Die Gorge sitzt etwas niedriger. Die Gorge ist die Naht, an der Kragen und Revers aufeinandertreffen. Sitzt sie tiefer, wirkt die Brustpartie offener und die Proportion klassischer. Breites Revers und niedrigere Gorge gehören zusammen. Gemeinsam geben sie dem Sakko das Profil des Riviera-Stils der 60er-Jahre.

Breites Revers mit Knopfloch, leicht abgerundetem Kragen und niedriger Gorge an einem MASSURA. Sakko

Die Brusttasche: Barchetta

Barchetta bedeutet „kleines Boot“. Die Leiste der Brusttasche ist leicht geschwungen, ähnlich einem Bootsrumpf. Sie folgt der Wölbung der Brust, statt als gerade Linie darüber zu liegen. Das Detail ist klein. Es gilt als typisches Merkmal eines Sakkos in neapolitanischer Tradition.

Auch die übrigen Taschen folgen dem Modell. Das Rapallo hat aufgesetzte, abgerundete Taschen, dazu einen abgerundeten Frontverschluss. Das Portofino hat Paspeltaschen. Bei beiden läuft der Abnäher bis zur Taschenlinie. Er formt die Brust und lässt die Front sauber fallen.

Barchetta-Brusttasche mit Pickstichen an einem MASSURA. Sakko

Innen: die schwimmende Einlage

Die Einlage ist die innere Struktur eines Sakkos. Sie liegt verborgen zwischen Oberstoff und Futter. Bei MASSURA. besteht sie aus Rosshaar, Wolle, Baumwolle und Leinen.

„Schwimmend“ heißt: Die Einlage ist nicht mit dem Oberstoff verklebt. Sie wird eingenäht, und der Oberstoff kann sich über ihr bewegen. Bei industriell gefertigten Sakkos wird die Einlage häufig verklebt. Das ist schneller, macht die Front aber flacher und steifer.

In der Linea Maestro wird die schwimmende Einlage vollständig von Hand eingenäht. Sie gibt dem Sakko seine Form, lässt es natürlich fallen und hält diese Form über Jahre des Tragens.

Auch in der Linea Classica hat das Sakko eine durchgehende Einlage (Full Canvas). Sie wird dort maschinell eingearbeitet.

Handarbeit in der MASSURA. Werkstatt in Italien: Eine Schneiderin näht die Front eines Sakkos von Hand

Das Revers von innen: Pad-Stitching

Pad-Stitching ist das Steppen des Revers. Feine Stiche verbinden Oberstoff und Einlage. Von außen sind sie unsichtbar. Sie geben dem Revers seine Rollung – die weiche Wölbung, mit der es beim 3-Roll-2 über den oberen Knopf fällt.

In der Linea Maestro wird das Revers von Hand gesteppt. Es ist eine der zeitintensivsten Handarbeiten am Sakko: Tausende kleiner Stiche werden einzeln gesetzt, und die Hand des Schneiders führt das Revers dabei in seine Form. Dieser Arbeitsschritt lässt sich nicht beschleunigen.

Handgesteppte Revers (Pad-Stitching): feine Stichpunkte im Leinen, Linea Maestro
Bei genauem Hinsehen: die feinen Punkte der handgesteppten Stiche, die Revers und Einlage verbinden.

Die letzten Details: Knopflöcher, Knöpfe, Ärmel

In der Linea Maestro werden alle Knopflöcher von Hand genäht. Am Revers ist auf Wunsch ein Milanese-Knopfloch möglich – ein erhabenes, von Hand genähtes Knopfloch. Die Knöpfe werden von Hand angenäht, Taschen und Futter von Hand eingesetzt. Entlang der Kanten setzt der Schneider feine Pickstiche, einfach oder doppelt. Zum Schluss wird das Sakko von Hand gebügelt.

In der Linea Classica ist das Knopfloch am Revers von Hand genäht. Die übrigen Knopflöcher sind maschinell gefertigt.

Am Ärmel trägt das einzelne Sakko einen Knopf. Das Anzugsakko hat drei „kissing“ Knöpfe. Sie sitzen so dicht, dass sie sich leicht berühren.

Drei sich berührende Ärmelknöpfe („kissing buttons“) an einem MASSURA. Sakko

Linea Classica und Linea Maestro

Der Schnitt – Schulter, Revers, Knopfstellung, Taschen – folgt in beiden Linien dem Hausstil. Der Unterschied liegt in der Verarbeitung.

Linea ClassicaLinea Maestro
Hausstil (Schnittmerkmale)jaja
Schnittmusterindividuell angepasstindividuell angepasst, von Hand zugeschnitten
Zuschnitt und Bügelnmaschinellvon Hand
Einlagedurchgehend (Full Canvas), maschinell eingearbeitetschwimmend, von Hand eingenäht
Ärmel, Ärmelfutter, Kragenvon Handvon Hand
Reversmaschinell verarbeitetvon Hand gesteppt (Pad-Stitching)
Knopflöcheram Revers von Hand, übrige maschinellalle von Hand, Milanese-Knopfloch am Revers auf Wunsch
Knöpfe, Taschen, Futtermaschinellvon Hand
Kantenmaschinell abgestepptPickstiche von Hand, einfach oder doppelt
Handarbeiteinzelne Elemente50–100 Stunden pro Kleidungsstück
Anprobe im Rohbau–optional
Schnitt archiviertjaja

Für Mäntel gilt dieselbe Aufteilung wie für Sakkos. Hosen sind in der Linea Classica maschinell gefertigt, in der Linea Maestro von Hand.

Weitere Details und handgefertigte Optionen auf Anfrage gegen Aufpreis.

In beiden Linien archivieren wir Ihren Schnitt. Er ist die Grundlage für jede weitere Bestellung. Die Preise beider Linien finden Sie auf der Preisseite.

Die Anprobe im Rohbau

In der Linea Maestro kann die erste Anprobe auf Wunsch im Rohbau stattfinden, etwa 4 Wochen nach dem ersten Termin. Das Sakko ist dann nur geheftet – mit temporären Stichen zusammengefügt. So lassen sich Schnitt und Balance noch verändern, bevor es fertiggestellt wird. Danach wird das Sakko teilweise wieder geöffnet, die Korrekturen werden eingearbeitet, und in 3–4 Wochen ist es fertig. Es folgt eine Anprobe am fertigen Stück.

Anprobe im Rohbau: Das Sakko ist nur geheftet, Heftstiche und Revers noch offen

Im Atelier

Die Details eines Sakkos zeigt man am besten am Stoff – an der Schulter, am Revers, an einer halbfertigen Einlage. Im Atelier in der Nordendstraße 18 in München-Maxvorstadt nehmen wir uns dafür Zeit. Den gesamten Hausstil finden Sie auf der Seite Hausstil, den Weg eines Sakkos der Linea Maestro auf der Seite Handwerk.

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