Ein neapolitanischer Anzug wirkt leichter als die meisten Anzüge. Das liegt nicht am Stoff allein, sondern an der Konstruktion: an einer Schulter ohne Polster, einer weichen Front und einigen Details, die man erst auf den zweiten Blick bemerkt. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie den Stil erkennen, woher er kommt und für wen er passt – und für wen eher nicht.
Kurz gesagt: Ein neapolitanischer Anzug hat eine weiche, ungepolsterte Schulter (Spalla camicia), eine leichte, bewegliche Front und typische Details wie die 3-Roll-2-Knopfstellung und die Barchetta-Brusttasche. Er entstand in Neapel als leichtere Alternative zum aufgebauten englischen Sakko. Er passt zu Männern, die ein Sakko tragen möchten wie ein Hemd. Der Hausstil von MASSURA. ist neapolitanisch inspiriert, genauer vom Riviera-Stil der 60er-Jahre.
Woher der Stil kommt
Lange galt das englische Sakko als Maßstab: eine gepolsterte Schulter, eine feste Brust, eine klare Kontur. In Neapel entwickelten Schneider im 20. Jahrhundert eine leichtere Form. Sie nahmen Polster und Einlage zurück und setzten den Ärmel anders ein.
Auch das Klima spielte eine Rolle. In einer warmen Stadt trägt sich ein leichtes Sakko angenehmer. Daraus entstand ein eigener Stil. Er steht bis heute für ein Sakko, das sich dem Körper anpasst, statt ihm eine Form vorzugeben.
Woran Sie einen neapolitanischen Anzug erkennen
Fünf Merkmale prägen den Stil. Nicht jedes neapolitanische Sakko hat alle, aber die meisten haben mehrere.
- Die Schulter: Spalla camicia bedeutet „Hemdschulter“. Der Ärmel wird ähnlich eingesetzt wie bei einem Hemd, die Schulter hat kein Polster. Bei vielen neapolitanischen Sakkos ist der Ärmel am Ansatz leicht eingehalten, sodass feine Falten entstehen.
- Die Front: Die Brust ist weich und beweglich. Die Front ist unten oft offen geschnitten, die Vorderteile laufen in einem Bogen auseinander.
- Die Knopfstellung: 3-Roll-2. Das Sakko hat drei Knöpfe, geschlossen wird der mittlere. Der obere liegt im Umschlag des Revers.
- Die Brusttasche: Barchetta, italienisch für „Bötchen“. Die Tasche ist leicht geschwungen, wie der Rumpf eines kleinen Bootes.
- Die Taschen: Häufig aufgesetzt statt eingeschnitten. Das wirkt weniger förmlich und unterstreicht den lockeren Charakter.
Neapolitanisch oder englisch?
Der Unterschied zeigt sich zuerst an der Schulter. Das englische Sakko baut eine Linie auf: Ein Polster gibt der Schulter eine gerade, oft breitere Kontur, die Brust ist fester. Das wirkt formell und strukturiert.
Das neapolitanische Sakko folgt der Linie, die schon da ist. Die Schulter fällt natürlich, die Front bewegt sich mit. Es wirkt entspannter, ohne nachlässig zu sein. Keiner der beiden Stile ist besser. Es sind zwei verschiedene Vorstellungen davon, was ein Sakko leisten soll.
Was MASSURA. vom neapolitanischen Stil übernimmt
Unser Hausstil ist neapolitanisch inspiriert, aber nicht neapolitanisch im engeren Sinn. Vorbild ist der Riviera-Stil der 60er-Jahre. Die Modellnamen Rapallo und Portofino verweisen auf diese Küste.
Aus Neapel übernehmen wir die Spalla camicia, die 3-Roll-2-Knopfstellung und die Barchetta-Brusttasche. Das Einreiher-Modell Rapallo hat zudem aufgesetzte, abgerundete Taschen. Eigene Akzente setzen das breitere Revers von 11 bis 14 cm, der leicht abgerundete Kragen und die etwas tiefer angesetzte Gorge.
In beiden Linien wird der Ärmel von Hand eingesetzt. Bei einer Schulter ohne Polster entscheidet dieser Schritt darüber, wie Schulter und Ärmel fallen. In der Linea Maestro ist das ganze Sakko handgefertigt, mit einer schwimmenden Einlage, die von Hand eingenäht wird. Gefertigt wird in unserer eigenen Werkstatt in Italien. Neapolitanisch beschreibt bei uns den Stil, nicht den Ort der Fertigung.
Wie die einzelnen Details aufgebaut sind, zeigt der Beitrag Anatomie des MASSURA. Sakkos. Den gesamten Hausstil finden Sie auf der Seite Hausstil.
Für wen der neapolitanische Anzug passt
Der Stil passt zu Männern, die sich in einem Sakko frei bewegen möchten. Er eignet sich für Anzüge ebenso wie für einzelne Sakkos, mit Krawatte, mit offenem Hemdkragen oder mit Strick. Auf Reisen und in warmen Monaten zeigt er seine Stärken besonders deutlich.
Am besten wirkt der Stil mit Stoffen, die sich leicht bewegen: Leinen, leichte Wolle oder Mischungen aus Wolle, Seide und Leinen. Ein steifer, schwerer Stoff nimmt der weichen Schulter einen Teil ihrer Wirkung. Für die kühleren Monate eignen sich weiche Flanelle und Tweeds, die trotz ihres Gewichts nachgeben.
Weniger passend ist er, wenn Sie eine markante, breite Schulterlinie suchen, die die Statur betont. Dafür ist ein aufgebauter, englischer Schnitt die bessere Wahl.
Eine ungepolsterte Schulter zeigt Ihre eigene Schulterlinie. Unterschiede in Haltung und Schulterneigung berücksichtigen wir deshalb im Schnittmuster, in beiden Linien. Ob der Stil zu Ihnen passt, besprechen wir am besten am Stoff.
Im Atelier
Im Atelier in der Nordendstraße 18 in München-Maxvorstadt zeigen wir Ihnen die Unterschiede an fertigen Sakkos: die Schulter, die Front, die Taschen. Die Modelle unseres Hausstils finden Sie auf der Seite MASSURA. Icons.